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Der Schlaf und das Herzkreislaufsystem

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D E R S C H L A F U N D D A S H E R Z K R E I S L A U F S Y S T E M

Für die Aufrechterhaltung der psychischen und physischen Gesundheit ist ein gesunder Schlafvon überragender Bedeutung. Die Störung des Schlafes zum Beispiel durch ein Schlafapnoe-Syndrom kann zu verschiedenen Erkrankungen führen. Andererseits sind bestimmte organische Erkrankungen nahezu regelhaft von Störungen des Schlafes begleitet. Dieses Wechselspiel lässt sich besonders deutlich in der so genannten Interaktion (Wechselspiel) zwischen Schlaf und dem Herzkreislaufsystem darstellen. Gerade in diesem Bereich hat die Forschung in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt.

Das Schlafbedürfnis der Menschen ist extrem unterschiedlich. So waren angeblich Leonardo da Vinci und Napoleon mit nur etwa 4 Stunden Nachtschlaf ausgesprochene Kurzschläfer. Hingegen berichtet man von Einstein, dass er 12 Stunden für einen erholsamen Schlaf benötigte. Diese Unterschiede allein lassen bereits vermuten, dass Schlaf nicht einfach nur "Bewusstlosigkeit" ist, sondern ein hochaktiver, dynamischer Prozess, der wie wir wissen, durch verschiedene Phasen, die wiederholt pro Nacht durchlaufen werden, gekennzeichnet ist.

Während des Schlafes kommt es zu einer Absenkung der Herzfrequenz und des Blutdruckes, die Körpertemperatur sinkt, ebenso werden die Atemfrequenz und die Atemtiefe geringer. Insbesondere im Tiefschlaf ist auch die Hirnaktivität geringer, was uns das EEG anhand so genannter langsamer Wellen zeigt. Bei einer Schlafapnoe ist diese normale Situation gestört. Während einer Apnoe kommt es ja nicht nur zu einem Abfall des Sauerstoffgehaltes im Blut, sondern vor allem bei einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom zu erheblichen Druckschwankungen im Brustkorb. Am Ende einer Atempause kommt es durch ein Arousal (Weckreaktion) zu einer vermehrten Hirnaktivität.

In dieser Situation wird vermehrt Adrenalin ausgeschüttet, es kommt zu einem rasanten Anstieg des Blutdruckes und der Pulsfrequenz. Diese Situation wiederholt sich mit der Zahl der Apnoen, das heißt teilweise bei einem schweren Schlafapnoe-Syndrom zum Beispiel minütlich. Dies hat zur Folge, dass letztlich während der gesamten Schlafdauer der Blutdruck erhöht bleibt und eine erhöhte Aktivität des Nervus symphaticus nachzuweisen ist. Solche Patienten weisen oft direkt morgens beim Aufwachen ebenfalls einen erhöhten Blutdruck auf (Aufwachhypertonus). Ein solcher Aufwachhypertonus ist ein wichtiger Hinweis auf ein Schlafapnoe-Syndrom, der jedoch leider noch immer häufig übersehen wird.

Während der Atempausen bei einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom führen die erheblichen Druckschwankungen im Brustkorb auch zu einem verminderten Blutfluss in den Herzkranzgefäßen, darüber hinaus haben alle Blutgefäße und natürlich auch das Herz in einer solchen Situation "Stress". Heute geht man davon aus, dass sich der Stoffwechsel der wichtigsten Gefäßzellen (Endothelzellen) bei einem Schlafapnoe-Syndrom erheblich verändert und sich auch dadurch das Risiko zur Entwicklung eines hohen Blutdruckes und einer Gefäßerkrankung erhöht.

Die Druckschwankungen im Brustkorb bei einer Atempause sind auch eine wesentliche Ursache für das häufige Wasserlassen in der Nacht (Nykturie). Die Druckschwankungen im Brustkorb übertragen sich, wie bereits gesagt, auch auf das Herz, sodass unterschiedliche Blutfüllungen der Herzkammern für die Rezeptoren (Messfühler) eine Überwässerung des Körpers vortäuschen, was ein vermehrtes Wasserlassen zur Folge hat.

Bei einem Schlafapnoe-Syndrom werden vermehrt auch insbesondere nächtliche Herzrhythmusstörungen beobachtet, vor allem sogenannte Blockbildungen und das sogenannte Vorhofflimmern. Liegt primär aus anderen Gründen eine Herzerkrankung vor, so lassen sich oft sekundär Veränderungen des Schlafes beobachten. Insbesondere finden wir bei einer Herzmuskelschwäche (die linke Herzkammer betreffend) eine so genannte periodische Atmung (Cheyne-Stokes Atmung). Heute wissen wir, dass die Prognose einer Herzmuskelschwäche bei gleichzeitigem Vorliegen einer Cheyne-Stokes Atmung schlecht ist. Daher werden diese Patienten heute in der Regel auch konsequent, allerdings mit speziellen Geräten über Maske beatmet. Das Risiko, an einer Herzkreislauferkrankung zu versterben ist bei einem relevanten Schlafapnoe-Syndrom auf etwa das 3-fache erhöht.

Nach einem Herzinfarkt und bei einer relevanten Herzmuskelschwäche lässt sich in etwa 50 Prozent der Fälle eine schlafbezogene Atmungsstörung nachweisen. Etwa 30 Prozent der Patienten mit einem Bluthochdruck leiden unter einem Schlafapnoe-Syndrom und bei etwa 60 Prozent der Patienten nach einem Schlaganfall finden wir eine schlafbezogene Atmungsstörung, die zum Teil Ursache, zum Teil Folge des Schlaganfalles ist. Wichtig ist die Erkenntnis, dass nicht nur Patienten mit einem so genannten nicht erholsamen Schlaf und einer entsprechenden Tagesmüdigkeit sondern auch Patienten mit einem Bluthochdruck, vor allem mit einem so genannten Aufwachhypertonus, Patienten mit einem schwer einstellbaren Blutdruck, Patienten mit einer Herzmuskelschwäche, Patienten mit Vorhofflimmern und vor allem nächtlichen Herzrhythmusstörungen, aber auch Patienten nach einem Schlaganfall im Schlaflabor untersucht werden sollten.

erschienen in Schlafapnoe Aktuell, Heft 25

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